Ein Leitfaden zur Kennzeichnung, der Ihr Augenlicht und Ihr Unternehmen schützt
Auf dem Markt tauchen immer mehr verlockend günstige Laserschutzbrillen auf, insbesondere aus asiatischen Online-Shops. Der Preis beträgt oft nur einen Bruchteil dessen, was zertifizierte europäische Produkte kosten. Doch dabei gibt es einen Haken – und zwar einen entscheidenden. Die meisten dieser Brillen erfüllen nicht die europäischen Normen und Rechtsvorschriften für persönliche Schutzausrüstung (PSA). Durch deren Einsatz in Ihrem Unternehmen riskieren Sie nicht nur irreversible Augenschäden bei Ihren Mitarbeitern, sondern auch hohe Bußgelder bei Kontrollen und Komplikationen mit der Versicherung im Falle eines Unfalls. In diesem Leitfaden zeigen wir Ihnen, wie Sie sichere und legale Schutzbrillen auf den ersten Blick erkennen können.
Warum reicht es nicht aus, dass die Brille „einfach funktioniert“?
Viele Nutzer gehen davon aus, dass eine Schutzbrille in Ordnung ist, wenn sie den Laserstrahl sichtbar abschwächt. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Der Schutz der Augen vor Laserstrahlung ist viel komplexer. Billige Schutzbrillen können:
- Nur sichtbares Licht blockieren, aber gefährliche Strahlung in anderen (unsichtbaren) Wellenlängen durchlassen.
- Eine unzureichende optische Dichte (OD) aufweisen, sodass sie bei direktem Auftreffen des Strahls sofort durchbrennen und das Auge treffen.
- Es mangelt ihnen an Widerstandsfähigkeit gegen Beschädigungen, und die optische Qualität der Gläser ist nicht garantiert.
Nicht weniger wichtig ist jedoch auch der rechtliche Aspekt. Laserschutzbrillen werden in der EU als persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Kategorie III eingestuft. Dies ist die Kategorie für den Schutz vor Gefahren, die sehr schwerwiegende Folgen wie den Tod oder irreversible Gesundheitsschäden verursachen können. Für diese Kategorie gelten die strengsten Vorschriften.
Kennzeichnungen, auf die Sie achten müssen: Die „Heilige Dreifaltigkeit“ der Sicherheit
Jede Schutzbrille, die in der EU legal in Verkehr gebracht wird, muss auf den Gläsern und/oder am Rahmen unauslöschlich gekennzeichnet sein. Ein Aufkleber oder Aufdruck auf der Verpackung reicht nicht aus. Achten Sie auf diese wichtigen Angaben:
1. CE-Kennzeichnung – Mehr als nur eine Formalität
Das CE-Zeichen bescheinigt, dass das Produkt die gesetzlichen Anforderungen der EU erfüllt. Bei PSA der Kategorie III bedeutet dies zudem, dass das Produkt strenge Prüfungen und eine Zertifizierung durch eine unabhängige, autorisierte Stelle (eine sogenannte benannte Stelle) durchlaufen hat. Bei billigen Schutzbrillen ist das CE-Zeichen oft gefälscht, fehlt gänzlich oder wird durch das grafisch ähnliche Zeichen „China Export“ ersetzt.
2. Norm EN 207 – Umfassender Schutz bei der Arbeit
Dies ist die wichtigste Norm für Schutzbrillen, die für die Arbeit mit Lasern bestimmt sind. Die Kennzeichnung gemäß dieser Norm ist relativ komplex, doch es reicht aus, ihre grundlegende Struktur zu verstehen.
Beispiel für eine Kennzeichnung auf einer Schutzbrille: 1064 D LB5 + IR LB6 XYZ CE
Was bedeuten die einzelnen Bestandteile?
- 1064 (oder ein Bereich, z. B. >900–1070): Die Wellenlänge oder der Wellenlängenbereich in Nanometern (nm), gegen die die Schutzbrille schützt. Diese muss mit der Wellenlänge Ihres Lasers übereinstimmen!
- D, I, R, M: Betriebsmodus des Lasers, für den der Schutz garantiert ist.
- D – Dauerstrichlaser (CW – Continuous Wave), Expositionszeit > 0,25 s
- I – Pulslaser im Langpulsmodus, Pulsdauer > 1 µs bis 0,25 s
- R – Gepulster Laser mit hohen Spitzen (Q-Switching), Pulsdauer > 1 ns bis 1 µs
- M – Laser mit ultrakurzen Impulsen (Femtosekunden, Pikosekunden), Impulsdauer < 1 ns
- LB5 und LB6: Schutzstufe (LB-Rating oder älteres L-Rating). Dies ist die wichtigste Angabe! Je höher die Zahl (z. B. LB5, LB6, LB7), desto höheren Schutz bieten die Schutzbrillen.
Warum ist die L/LB-Kennzeichnung so wichtig? Im Gegensatz zur amerikanischen Norm, die in erster Linie nur die optische Dichte (OD) angibt, ist die europäische Norm EN 207 wesentlich strenger. Die Schutzstufe L/LB bedeutet nicht nur, dass der Filter die jeweilige Strahlung absorbiert (optische Dichte), sondern garantiert auch, dass das Material der Scheibe und des Rahmens einem direkten Lasereinschlag über einen definierten Zeitraum (typischerweise 5 Sekunden oder 50 Impulse) standhält, ohne durchzubrennen, zu schmelzen oder anderweitig seine Schutzeigenschaften zu verlieren. Brillen ohne L- oder LB-Nummer sind nicht nach EN 207 zertifiziert und bieten keinen garantierten Schutz!
- XYZ: Kennzeichnung des Herstellers.
- CE: Konformitätserklärung.
3. Norm EN 208 – Für die Einstellung und Justierung
Es gibt noch eine weitere Norm, die EN 208. Brillen, die gemäß dieser Norm gekennzeichnet sind, sind NICHT für den normalen Arbeitsbetrieb bestimmt! Sie dienen ausschließlich der Justierung von Lasern mit geringer Leistung im sichtbaren Spektrum. Sie ermöglichen es, den schwach leuchtenden Strahlpunkt zu sehen, um ihn richtig auszurichten, bieten jedoch nur begrenzten Schutz. Ihre Kennzeichnung enthält den Buchstaben R und die Schutzstufe (z. B. R3). Die Verwendung dieser Schutzbrillen für normale Arbeiten ist äußerst gefährlich.
Risiken für Unternehmen bei der Verwendung nicht zertifizierter Schutzbrillen
Durch den Kauf von Schutzbrillen für ein paar hundert Kronen aus China setzt sich ein Unternehmen Risiken aus, die sich auf Hunderttausende oder sogar Millionen Kronen belaufen können:
- Bußgelder durch die Arbeitsaufsichtsbehörde (Arbeitsschutz): Bei Kontrollen ist das Fehlen zertifizierter PSA einer der häufigsten und am strengsten geahndeten Verstöße. Die Inspektoren sind darauf geschult, die korrekte Kennzeichnung zu überprüfen.
- Arbeitsunfall und strafrechtliche Haftung: Kommt es zu einer Schädigung des Sehvermögens eines Mitarbeiters, der nicht zertifizierte Schutzbrillen getragen hat, wird die Situation kritisch.
- Die Versicherung kann die Leistung verweigern, da das Unternehmen bewusst gegen die Arbeitsschutzvorschriften verstoßen hat. Alle Kosten für Behandlung und Entschädigung gehen dann direkt zu Lasten des Unternehmens.
- Die verantwortliche Person (Geschäftsführer, Manager) kann wegen fahrlässiger Körperverletzung strafrechtlich verfolgt werden.
- Rufschädigung: Die Meldung eines Arbeitsunfalls, der durch Vernachlässigung der Sicherheit verursacht wurde, kann für das Unternehmen fatale Auswirkungen auf seinen Ruf bei Kunden und Geschäftspartnern haben.
Wie trifft man also die richtige und sichere Wahl?
- Überprüfen Sie die Kennzeichnung: Achten Sie stets auf eine vollständige Kennzeichnung gemäß der Norm EN 207 direkt auf der Schutzbrille, nicht nur auf der Verpackung.
- Verlangen Sie die Konformitätserklärung: Jeder seriöse Händler muss Ihnen dieses Dokument auf Anfrage zur Verfügung stellen, das bestätigt, dass die Schutzbrille zertifiziert ist.
- Trauen Sie verdächtig niedrigen Preisen nicht: Prüfungen und Zertifizierungen kosten Geld. Wenn die Schutzbrille zehnmal günstiger ist als die der Konkurrenz, ist es fast sicher, dass sie keine Zertifizierung durchlaufen hat.
- Kaufen Sie bei bewährten Anbietern: Vertrauen Sie auf Spezialisten, die Ihnen nicht nur das Produkt verkaufen, sondern Sie auch bei der Auswahl der richtigen Schutzstufe für Ihren konkreten Laser beraten.
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